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Born to be wild Dennis
Seinen Tanz hat er beendet ohne zu verglühen...
Es gab, glaub ich, nur einen Mann, der den Namen Dennis unbelastet tragen konnte, ohne dass man, zu mindestens in Deutschland, nicht unweigerlich daran denken musste, dass Gleichnamiger bitte vom Spielplatz zum Essen hoch kommen möge und auch gleich noch die Jacqueline mitbringen sollte.
Und auf kaum ein anderes Auge passte der Song „Born to be wild“ so erschreckend gut wie die Faust auf Dennis Hoppers Sehorgan. Zwar hat das mit der Textzeile „I never wanna die“ biologisch nicht so gut geklappt, aber spätestens seit 1969 hatte sich Dennis Hopper ohnehin sein erstes eigenes unsterbliches Denkmal mit dem Film »Easy Rider« gesetzt, in dem er für Drehbuch, Regie, als Hauptdarsteller neben Peter Fonda und für die steigenden Verkaufszahlen bei Harley Davidson verantwortlich zeichnete.
Allerdings waren Hoppers Filme so weild, dass der DDR- und vor allem der Dresdner Kinofreund, geschichts- und lebenslaufbedingt auf Dennis Hopper noch 34 lange Jahre warten musste. Selbst »… denn sie wissen nicht, was sie tun« von 1955 an der Seite seines Freundes James Dean war den Funktionären zwei Jahre nach dem 17. Juni zu rebellisch und hätte die Jugend wieder auf dumme Gedanken bringen können. Aber vor allem spätere Filme wie »Easy Rider« oder gar »Apocalypse Now« waren in der DDR tabu. Wer einen kannte, der einen kannte, der einen Videorekorder besaß, hatte da schon eher Glück, zumal dieses Privileg meist in die Zeit Mitte der 80er fiel und Dennis Hopper sich mittlerweilen aus seinem Drogensumpf befreit hatte.
Ende dieses Jahrzehnts kam dann der Film, welcher absolut anders war, als alles was man zuvor zu Gesicht bekommen hatte: »Blue Velvet«! Hopper verkörperte hier eine nie gekannte Gefährlichkeit, die so unberechenbar war, dass man einen wahnsinnigen Typen wie Frank nun wirklich nicht zum Freund, geschweige denn erst zum Feind haben wollte. Auf der Leinwand umso mehr. Nach »Blue Velvet« hatte er zwar die meisten seiner Filme noch vor sich, aber mit keinem anderen prägte er so sein Bild wie durch »Easy Rider«, »Apocalypse Now« und eben »Blue Velvet«. Schaut man sich vor allem die beiden letztgenannten Filme noch einmal genauer an, stellt man verzückt fest, woher Brad Pitt sein wahnsinniges Spiel bei »12 Monkeys« abgeguckt hat.
Hoppers Leben selbst war bis zuletzt der sprichwörtliche Tanz auf dem Vulkan, bei dem er es immer gerade so geschafft hatte, nicht in den glühenden Schlund zu stürzen. Seinen Tanz hat er beendet ohne zu verglühen, über 100 Filme sind uns geblieben und haben einen Berufsrebellen unsterblich gemacht. You will never die Dennis.
Dr. Kurt Hanuschke (Wörterrebell)
Foto: „Dennis Hooper is Eddie Scratch Zero in »Hell Ride«“, Will McGarry