Zwei Tage nach Hannah Arendts Geburtstag - am 14. Oktober jährt sich zum 105. Mal der Geburtstag - beginnen am 16. Oktober unter der Regie von Margarethe von Trotta (»Die bleierne Zeit«, »Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen«, Foto mit Barbara Sukowa) in NRW die Dreharbeiten von »Hannah Arendt« (Arbeitstitel).
Die Dreharbeiten von »Hannah Arendt« laufen bis Ende Dezember in NRW, Israel, New York und Luxemburg. Der Film wird Ende 2012 in die deutschen Kinos kommen.
Die gesellschafts-politische Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie der Philosophin Hannah Arendt waren bahnbrechend für unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert. Der von ihr geprägte Begriff der „Banalität des Bösen“ veränderte in den 1960er Jahren die Welt.
Margarethe von Trotta konzentriert sich in ihrem Film auf die wichtigen Jahre der deutsch-jüdischen Philosophin im New Yorker Exil, als sich diese von dem „einsamen Geschäft des Denkens“ löst und die direkte Auseinandersetzung mit jenen Menschen sucht, deren Handeln unter dem Nazi-Regime sie verstehen will. Hannah Arendt reist im April 1961 nach Jerusalem, um für den renommierten The New Yorker über den Prozess gegen Adolf Eichmann zu berichten. Eichmann, kurz zuvor vom israelischen Mossad in Argentinien gefangen genommen, war im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zuständig für die Organisation der europaweiten Deportation und somit mitverantwortlich für den Mord an sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern. Als Hannah Arendt ihre Artikel-Serie veröffentlicht, löst sie weltweit eine Welle der Entrüstung aus. Sie sieht in Eichmann nicht das Monster, für das die Weltöffentlichkeit ihn hält, sondern erkennt in ihm einen Schreibtischtäter, der seine Aufgabe bestmöglich erfüllen wollte und sich keiner Schuld bewusst ist, da er Befehle von oben gehorsam befolgte - Eichmann verkörpert für sie die „Banalität des Bösen“. Diese mutige Erkenntnis hat weit reichende Folgen. Sie wird geächtet, angefeindet, verliert lebenslange Freunde. Dennoch bleibt sie bei ihrer konsequenten Haltung. Ihr kompromissloses und unangepasstes Denken machen Hannah Arendt zu einer aufregenden, schillernden und einzigartigen Persönlichkeit.
Die Hauptrolle der Hannah Arendt spielt Barbara Sukowa, ihren Ehemann Heinrich Blücher Axel Milberg. Als Hannah Arendts beste Freundin, die Romanautorin Mary McCarthy, steht die britische Schauspielerin Janet McTeer, die für ihre Rolle als Hubert Page an der Seite von Glenn Close in Albert Nobbs für die kommenden Oscars hoch gehandelt wird, vor der Kamera. Hannah Arendts Sekretärin und wichtige Vertraute Lotte Köhler spielt Julia Jentsch. Arendts Freundeskreis, der sog. ‚tribe’, setzt sich zusammen aus ihrem Freund aus Heidelberger Studienzeiten Hans Jonas, gespielt von Ulrich Noethen), ihrem langjährigen Weggefährten Kurt Blumenfeld, gespielt von Michael Degen und Charlotte Beradt, die sich vor allem zu Hannahs Ehemann hingezogen fühlt, gespielt von Victoria Trauttmansdorff. Hannah Arendts Jugendliebe, der Philosoph Martin Heidegger, wird gespielt von Klaus Pohl.
Für die Kamera verantwortlich zeichnet Caroline Champetier, die im vergangenen Jahr mit dem französischen Filmpreis, einem César, für den Film „Von Menschen und Göttern“ ausgezeichnet wurde.